Mitglieder der Langlaufgruppe starteten über 100 km in Biel

Sensationeller 2. Platz (AK 60) von Sabine Moseke 75. Lauf des ehemaligen Trainers Hans-Jürgen Reuter

Der 100 km - Nachtlauf von Biel, diesmal am 10. Juni, gehört bekanntlich zu den spektakulärsten Laufereignissen über diese Strecke. Für zwei Tage wird dieser Austragungsort in der Schweiz zum Mekka der Ultraläufer. Entsprechend hochkarätig und international besetzt ist das Teilnehmerfeld. "Irgendwann musst du nach Biel!" Nicht umsonst ist das der Titel eines bekannten Buches, das sich mit dem Ultralauf auseinandersetzt. 

Dem Lockruf folgten in diesem Jahr Sabine Moseke, Wolfgang Schnitzker und unser verdienter Trainer, Hans-Jürgen Reuter, der sich seit einiger Zeit im wohlverdienten Ruhestand befindet. Wohlgemerkt: Was seine Trainertätigkeit und Vereinszugehörigkeit angeht. Die Beendigung seiner aktiven Laufbahn als Langläufer war allein deshalb unmöglich, da Hans-Jürgen mit mittlerweile 74 Ultraläufen über 100 km immer noch kein Jubiläum feiern kann. Diese Schmach muss getilgt werden. Der 75. Lauf muss her! Da bietet sich natürlich Biel in besonderer Weise an, da Biel auch in finanzieller Hinsicht sehr lukrativ ist. Bei einem Nachtlauf spart man nämlich die Übernachtungskosten. Natürlich unter der Voraussetzung, dass man am gleichen Tag mittels ICE anreist und man sich nach Beendigung des Laufes wieder auf den Heimweg macht. Bekanntlich wird Schlaf ohnehin überbewertet. So dachten zumindest unsere Ultraläufer bei ihrer Planungsarbeit. Das Ergebnis sollte ihnen recht gegeben. Aber dazu später.

Am Freitag, gegen 8:30 h, ging es vom Hauptbahnhof in Solingen u. a. mit dem ICE über Basel nach Biel. Das Wetter war geradezu ideal. In den Turnhallen vor Ort warteten schon Hunderte der späteren Konkurrenten, bereiteten sich vor und balsamierten sich mit allerlei Wundertinkturen ein. Nun, ein vernünftiges Training wäre auch eine Alternative, dachte Sabine bei sich. Sie sollte recht behalten. 

Um 22:00 h ging es mit 1.200 Startern los. Mit einer Stadtrunde durch Biel und dann ab in die Landschaft und in die Nacht. Vorbei an einem einsamen Alphornbläser und einem Akkordeonspieler und begeisterten Dorfbewohner. Später, also nach Mitternacht, immerhin noch Kuhglockengebimmel und freundliche Verpflegungshelfer.

Aber lassen wir doch Hans-Jürgen zu Wort kommen, der den Verlauf etwas genauer beschrieben hat:

Bereits nach 6 Km kam der erste große Anstieg, welcher verhalten angegangen wurde. Nach ca 1,5 Stunden setzte der erste große Regen ein. Doch noch war man guter Hoffnung, dass es nicht so weiter regnet. Und wir hatten Glück. Der Regen ließ nach und es sollte nun die ganze Nacht trocken bleiben. Die Anspannung wich mit jedem Kilometer. Für mich war vorrangiges Ziel ankommen, und nicht so sehr die Zeit. Kilometer 50 war schließlich geschafft; die Nacht wich dem Tag. Ein gutes Zeichen! Ein jeder Läufer hatte von nun an mit sich selbst zu tun. Kurze Gespräche mit Gleichgesinnten wurden zwar hin und wieder geführt, aber bald war man wieder mit sich und seinen individuellen Problemen allein.

Bei Kilometer 56 bestand die Möglichkeit den Lauf zu beenden, um Gefahren durch den problematischen Untergrund aus dem Weg zu gehen. Doch bei dem Bieler Ultralauf gehört der sog. Ho Tschi Minnh Pfad dazu. Den musst du laufen! 8 Kilometer über Wurzeln und Steine sowie aufgeweichten Boden. Das erfordert schon große Aufmerksamkeit von jedem Läufer. Die letzten 25 Kilometer brachten wieder den großen Regen. Eine Aufgabe zu diesem Zeitpunkt war aber nicht geplant. Die letzten Kilometer werden immer schwerer; jeder Kilometer wird nun innerlich abgehakt. Nach 15,32 Stunden erreichte ich zufrieden und glücklich das Ziel. Die Zeit war jedoch zweitrangig. Hatte ich doch mein Ziel, 75mal erfolgreich den 100 Kilometer Lauf zu beenden, erreicht. Wird es mein letzter Lauf über diese Ultra Strecke sein?

So wie Hans-Jürgen erreichten auch Wolfgang und Sabine um die Mittagszeit wohlbehalten das Ziel. 

Übrigens: Rund 1/3 der gestarteten Läufer mussten das Rennen vorzeitig beenden  

Anschließend ging es übrigens wieder zum Bahnhof und mittels ICE in Richtung Solingen. Wo man kurz vor Mitternacht eintraf. Man sagt, dass der eine oder die andere im Zug ein Nickerchen gehalten haben soll...

Nun gibt es nur wenige Läufe, bei denen der Satz "Dabei sein ist alles" so den Kern trifft, wie in Biel.

Dieses Mal wäre das aber zu kurz gegriffen, da so die zentralen Details unterschlagen werden würden:

Für Hans-Jürgen war es tatsächlich der 75. Ultralauf über 100km seiner sportlichen Laufbahn. Eine wahnwitzige Lebensleistung, die seinesgleichen sucht. Gratulation! Sabine erzielte in dem hochklassigen, international besetzten Feld den 2. Platz in ihrer Altersklasse (W60). Eine grandiose Leistung, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gratulation! Wolfgang hat den Lauf jetzt bereits zum zweiten Mal hintereinander bewältigt. Es sei daran erinnert, das Wolfgang im letzten Jahr trotz seines Erfolges unter massiven Gesundheitsproblemen litt und sich trotzdem nochmal dieser Herausforderung stellte. Respekt!

Helmut Seelig

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